In der 5. Grabungswoche besuchte uns überraschend ein Vertreter des Bayerischen Rundfunkes, um einen Radiobeitrag zu den archäologischen Forschungen am Veitsberg aufzuzeichnen. Für die Möglichkeit, unsere Arbeiten auf diesem Medium zu präsentieren, und das schöne daraus entstandene Interview möchten wir uns ganz herzlich bei dem BR-Korrespondenten H. Friedrich bedanken!
In Kürze versuchen wir, den Beitrag im Blog zugänglich zu machen.
Der Veitsberg ist eine Befestigung im Tal der Fränkischen Saale (Unterfranken). Er ist Teil der Pfalz Salz, die vom 8.-10. Jahrhundert zu den Zentren des Fränkischen Reiches gehört. Seit 2009 erforschen die Universität Jena und das Römisch-Germanische Zentralmuseums Mainz in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Stadt Bad Neustadt und den Gemeinden Hohenroth und Salz diesen Fundplatz. Dieser Blog berichtet für alle Interessierten von den aktuellen Forschungen.
Freitag, 2. September 2011
Eine Ausgrabung in Bayern aus ungarischer Sicht – 2 Wochen auf dem Veitsberg
Alles hat mit einer spontanen Idee angefangen, aber wir kehrten am Ende voll mit Erlebnissen und Erfahrungen heim. Wir möchten uns an dieser Stelle noch mal bei Lukas Werther bedanken, dass wir auf dieser Ausgrabung als Mitglieder des sog. Ungarn-Projekts teilnehmen konnten, und danken ihm für seine Hilfe, die er uns leistete.
Die Fahrt von Budapest bis Hohenroth war sehr lang und anstrengend: wir sind mit dem Bus, Zug und auch mit dem Auto gefahren, um endlich den Ort der Ausgrabung zu erreichen.Als wir auf dieses Abenteuer eingegangen sind, waren wir unsicher, ob wir uns in so einer kurzen Zeit einordnen können, und mit unseren deutschen Kollegen eine gemeinsame Stimme finden würden. Aber all diese Sorge waren schon am ersten Tag weg, weil jeder sehr nett und offen war und keine sprachlichen Schwiergikeiten auftauchten: die Gespräche wurden auf Deutsch oder auch auf English geführt. Unsere Grabungsleiterin, Petra Wolters, hat uns beide, als junge Archäologinnen auch sehr herzlich willkommen geheißen und schnell ins Vertrauen angenommen. Es war uns eine große Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten.
Nicht nur vom archäologischen Gesichtspunkt war uns diese Ausgrabung ein spezielles Erlebnis. Wir hatten viel Spaß während der Arbeit, wenn wir zum Beispiel jemanden um ein Werkzeug baten. Auch wenn wir miteinander auf English geredet haben, haben wir den Name des Werkzeuges immer auf Deutsch gesagt, so dass es alle verstanden haben. Einmal haben wir die regionale Bezeichnungen für einzelne Dinge verglichen, und hat sich gezeigt, dass das für die Schubkarre in Ost-Ungarn benutzte „furik” dem entsprechenden fränkischen Wort sehr ähnlich ist. Unsere neuen Kollegen haben uns natürlich auch nach ungarischen Wörtern gefragt. Manche haben mit einfacheren angefangen, zB. „igen” (Ja), „nem” (Nein), während die Fortgeschrittenen schon etwas koplizierteres wissen wollten: zB. „naptej” (Sonnenmilch).
![]() |
| Grabungsarbeiten am Veitsberg. Links im Bild die beiden Autorinnen des Beitrages in Aktion. Foto: Uni Jena |
Unsere kleine Gruppe hat nicht nur auf der Fläche zusammengearbeitet, sondern abends auch zusammen gekocht und geredet. Dabei herrschte immer eine gute Laune und es waren angenehme Abschlüsse eines Werktages. Einmal haben wir beinah warmes Bier probiert, nur ausschliesslich für medizinische Zwecke. Im Rahmen des täglichen Kochens haben wir deutsche Gerichte gekostet, aber es wurde auch ungarisches Abendessen gemacht: zB. „paprikáskrumpli” (Eintopfgericht mit Kartoffel und Wurst) und „tárkonyos leves” (Suppe mit Gemüse und Fleisch mit speziellem Gewürz, genannt Estragon). Wir sind darauf gekommen, dass die fränkischen Gerichte und auch die Mentalität viele Ähnlichkeiten mit den Ungarischen hat: wir könnten einander in Geschmack, Gedanken und Arbeitsmoral gut verstehen.
Weil wir insgesamt 2 Wochen auf der Ausgrabung verbrachten blieben wir das Wochenende auch in unserer Unterkunft in Hohenroth. Dank Lorenz Bauer (Bad Neustadt) standen für uns 2 Fahrräder zur Verfügung, mit denen wir die Umbegung entdecken konnten. Wir besichtigten die Nachbarstadt Bad Neustadt, wo wir neben der Stadtrundfahrt bei der Suche nach einem Internet-Café in einer Spielothek landeten. Natürlich wollten wir nicht unser Geld verspielen, wie ein Bewohner, von dem wir den Weg fragten, scherzte.
Wir haben auf der Ausgrabung auch erfahren, wie nett und interessiert die Leute dort sind. Es war für uns erstaunlich, dass jeder, der neben der Grabungfläche spazieren ging, zu uns kam um uns zu fragen, wie die Arbeit geht, und was wir schon gefunden haben. Diese Dinge machten uns immer wieder auf unsere Verantwortung aufmerksam und zeigte uns, dass unsere Arbeit einen Wert hat und nicht nur in Fachkreisen interessant sein kann.
Autorinnen: Rozália Bajkai, Szabina Merva (Budapest)
Grabungskampagne 2011 beendet
Am 20. August 2011 haben wir die erfolgreiche sechswöchige Grabungskampagne am Veitsberg beendet. Viele wichtige Fragen zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Veitsberges konnten beantwortet werden.
Mit einem Pressetermin und einem Besuch der Feuerwehr aus Bad Neustadt inklusive Drehleiter für Luftbildaufnahmen der Grabungsflächen sind die Geländearbeiten für dieses Jahr abgeschlossen. In Kürze folgt an dieser Stelle ein erster Bericht über die wichtigsten Ergebnisse.
Vorab jedoch einige Erfahrungsberichte der Grabungsteilnehmer!
Mit einem Pressetermin und einem Besuch der Feuerwehr aus Bad Neustadt inklusive Drehleiter für Luftbildaufnahmen der Grabungsflächen sind die Geländearbeiten für dieses Jahr abgeschlossen. In Kürze folgt an dieser Stelle ein erster Bericht über die wichtigsten Ergebnisse.
Vorab jedoch einige Erfahrungsberichte der Grabungsteilnehmer!
Mittwoch, 10. August 2011
Pressebericht von der Kinderuniversität am 05. August
Grabungsführung mit dem Netzwerk für Jugendkultur Bad Königshofen
Am Montag den 08. August besuchte eine große Gruppe Kinder und Jugendlicher unter Leitung von Andreas Rottmann (Museen in der Schranne, bad Königshofen) im Rahmen des Ferienprogrammes der Stadt Bad Königshofen die Ausgrabungen auf dem Veitsberg. Organisiert wurde der Ausflug vom jukunet - Netzwerk für Jugendkultur / Museen in der Schranne. Die Teilnehmer aus Bad Königshofen bewegten sich dabei auf ihrem Weg zum Veitsberg auf historischen Wurzeln, gehörten doch beide Orte im Frühmittelalter zu den wichtigsten Stützpunkten der fränkischen Könige im Grabfeld! Die Grabungsführung leitete Grabungsleiterin Petra Wolters.
![]() |
| Grabungsleiterin P. Wolters vor den Befunden in Schnitt 1 |
Montag, 8. August 2011
Ferienfieber – Nachwuchsarchäologen der Kinderuni graben am Veitsberg

Am letzten Freitag fand auf dem Veitsberg keine reguläre Ausgrabungstätigkeit statt, denn im Rahmen des „Ferienfieberprogramms“ der Stadt Bad Neustadt a. d. Saale besuchten uns 20 Kinder zwischen 9 und 14 Jahren, um zu erfahren wie man als Archäologe eigentlich so arbeitet. Dieses Projekt wurde in Kooperation zwischen der Kinderuni Bad Neustadt und der Universität Jena durchgeführt und bildet einen wichtigen Baustein der Vermittlung unserer Grabungsergebnisse. So war auch das Interesse schon im Vorfeld sehr groß und die Teilnehmerliste schnell gefüllt. Vor Ort genossen die Nachwuchsarchäologen zunächst eine altersgerechte fachliche Einführung vom Projektleiter Lukas Werther und der örtlichen Grabungsleiterin Petra Wolters. Dabei durften die Kinder jederzeit Zwischenfragen stellen. So konnte unter anderem geklärt werden, dass die dunklen kreisförmigen Verfärbungen im Getreidefeld nicht von Außerirdischen stammen, sondern auf bauliche Strukturen, wie Fundamente von Mauern und Türmen unter der Erde hindeuten. Danach durften sich die Teilnehmer selbst richtig dreckig machen und einen extra für diesen Anlass vorbereiteten Schnitt öffnen. Dabei wurden die Kinder in fünf Gruppen eingeteilt, die jeweils von zwei Studenten betreut wurden. So konnte jede Gruppe die einzelnen Arbeitsschritte, wie das Abtiefen, Planum putzen, Befunde erkennen und herausnehmen, sowie Zeichnen, Beschreiben und Nivellieren nach fachkundiger Anleitung durchführen, aber natürlich nicht ohne die nötige Gaudi bei der Sache zu vergessen. Die Studentinnen Silke Jentzsch und Dominique Schmid sorgten für eine deftige Brotzeit, sodass alle Nachwuchsarchäologen gut gestärkt in die zweite Halbzeit gehen konnten. Am Ende waren die allermeisten Nachwuchsarchäologen so begeistert, dass sich eine Fortsetzung im nächsten Jahr gewünscht wurde.
Autor: Rimtautas Dapschauskas
Ferienprogramm Hohenroth – Grabungsführung am Veitsberg
Unter Leitung von Gerhard Müller, 2. Bürgermeister von Hohenroth, hatte am Donnerstag den 04. August eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus Hohenroth die Gelegenheit, im Rahmen des Ferienprogramms die Ausgrabungen auf dem Veitsberg zu besuchen.

Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von den vielen Mauern und archäologischen Resten, die unter dem unscheinbaren Acker zu finden sind. Und dass man diese Befunde teilweise auch noch vom Flugzeug aus sehen und ohne ein Loch zu graben mit speziellen Messgeräten sichtbar machen kann überraschte umso mehr! Gemeinsam mit Grabungsleiterin Petra Wolters und Projektkoordinator Lukas Werther konnten die Teilnehmer dabei anhand verschiedener archäologischer Funde auch vieles über das Leben auf dem Veitsberg vor über 1000 Jahren lernen: über die mit Wellenlinien verzierten Töpfe, in denen gekocht wurde, die Tierknochen, Fischgräten, Muschelschalen und Getreidekörner, die als Reste der Nahrung im Boden erhalten blieben, wie mit einem Mühlstein Mehl gemahlen wurde und wer vielleicht eine Münze verloren hat, die sich über einer Abbruchschicht eines Turmes fand. Auch die praktischen Dinge kamen nicht zu kurz, so galt es die Fragen der Teilnehmer zu klären wo ein Archäologe arbeiten kann, was er so verdient und wann man dafür aufstehen muss – womit für einige der Berufswunsch Archäologe trotz der vielen spannenden Überraschungen im Boden offenbar noch einmal überdacht werden musste. Am Ende der Führung, die dem Grabungsteam durch die vielen Fragen und kreativen Ideen der Nachwuchsarchäologen viel Freude bereitet hat, ging es wieder zurück nach Hohenroth. Die besondere Geschichtsstunde zum Anfassen hat allen Teilnehmern einen wichtigen Teil der eigenen Vergangenheit direkt vor der Haustüre näher gebracht. Unser großer Dank gilt den zahlreichen Unterstützern unserer archäologischen Forschungen in Hohenroth und wir freuen uns, im Rahmen des Ferienprogramms auch die jungen Hohenrothern für die Entdeckung ihrer spannenden Geschichte begeistern zu können!
![]() |
| Fotos: G. Müller |

Abonnieren
Posts (Atom)





